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Die, in der meine Mutter mich verlobt

Wissen Sie: Der große Tag jährt sich diesen Frühling zum dritten Mal. Der Tag, an dem ich beschloss, dass ich ohne meinen Freund besser dran wäre. Und zack – plötzlich war ich Single. Ein seltsames Gefühl, hatte ich doch die neun Jahre davor beinahe übergangslos in zwei Beziehungen verbracht. Damals dachte ich euphorisch, ein neues Leben fängt an. Ich träumte davon, von Männern umschwärmt zu werden wie Helmut Elsner von seinen Gefängniswärtern, ich sah mich nächtelang flirten und am Morgen danach mit einem arroganten Gesichtsausdruck sagen: „Egal, wie du heißt, kannst du bitte gehen?“. Verliebte Männer, verführerische One-Night-Stands und an jedem Finger ein Lover. DAS wollte ich erleben. Und was ist passiert? Nichts.

 ‚Wirklich? Nur eine Person?‘

Erkenntnis Nummer 1: Ich funktioniere gut als Single. Ich bin mein eigener Mann im Haus, der die Hosen anhat – wer soll da noch die Chance haben, eben diese auszuziehen, um seinen Mann bei mir zu stehen? Erkenntnis Nummer 2: Die Welt sieht das anders. Denn offenbar ist man nur im Doppelpack etwas wert. Egal, wo ich mich alleine zeige – im Alltag, im Urlaub, im Nachtleben – ich ernte regelmäßig ein abfälliges Lächeln. „Ein Tisch für eine Person?“ wird da von Kellnern mit hoch gezogener Augenbraue gesagt. Ein kurzes Abscannen meiner Person, inklusive der gönnerhaften Erkenntnis, dass ich doch gar nicht alleine sein müsste, anschließend die zweite Nachfrage: „Wirklich? Nur eine Person?“ Natürlich so laut, dass ein gut gefülltes Lokal inklusive Belegschaft mir den bestellten Martini statt mit einer Olive mit einer großen Portion Mitleid serviert. Erkenntnis Nummer 3: Ich werde verfolgt von der Botschaft, dass man nur zu zweit funktioniert. Meine Kreditkartenfirma erfreut mich regelmäßig mit lästigen Anrufen, so auch unlängst. „Frau Kreulitsch, wir haben ein einzigartiges Angebot für Sie“, wird da in den Hörer gesäuselt. „Als treue Kundin haben Sie jetzt die Möglichkeit, kostenlos eine Kreditkarte für Ihren Partner zu bestellen“, quiekt die Mitarbeiterin mit der Euphorie eines frisch begatteten Kaninchens in den Hörer und wartet auf meinen Jubelschrei. „Bekomme ich den Partner dazu?“ frage ich trocken und ersticke jede weitere Diskussion im Keim. Angebotus interruptus sozusagen.

 ‚Kind, du bist verlobt!‘

Amüsant sind auch meine werten Erzeuger, die ihrerseits 35 Jahre verheiratet sind und das Singledasein der neuen Generation, wie ich es lebe, so nicht kennen. Meine Eltern haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass es mich nur im Einzelpack gibt. Das hindert sie aber nicht daran, sich über mich lustig zu machen. Vor allem meine Mutter. Letztes Jahr rief mich eines Nachts bierselig an und rief in den Hörer: „Kind, du bist verlobt!“ Als ich irritiert nachhakte, erzählte sie mir, dass sie gerade einen tollen Mann kennen gelernt hatte. Kärntner Unternehmer: gut aussehend, gut situiert, gut im Bett (und gut in seiner Selbstüberschätzung). Er  war so begeistert von meiner Mutter, dass er ihr sagte: „Wenn Ihre Tochter nur halb so ist wie Sie, werde ich sie heiraten“. Seitdem bin ich verlobt. Single, aber versprochen – Sie verstehen? Zuschriften von interessierten Kärntnern mit ähnlichen Attributen also wieder mal zwecklos. Aber falls Sie Interesse haben: Meine Mutter geht sicher gerne auf ein Bier mit Ihnen!


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 05/2009)