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Die, in der ein Vorspiel schöner ist als ein Höhepunkt

Wissen Sie: An dem Tag, als mich ein Junge das erste Mal um ein Date bat, war ich dreizehn, trug ein Frottée-Top, das aussah wie überdimensionaler Waschlappen, und überlegte verzweifelt, wie ich meiner Mutter den neuerlichen Fünfer in Mathe beichten sollte. Und ich war frisch verknallt in Ch., den ich beim Volkstanzen kennengelernt hatte. Ich fuhr das übliche pubertäre Programm irrationaler Verliebtheit: Seinen Vornamen verschnörkelt auf Schulhefte malen, seinen Nachnamen mit meinem Vornamen kombinieren plus dümmlichem Gekicher mit meinen Freundinnen, wenn sein Name überhaupt fiel. Das Problem dabei: Ich wusste nicht mal, ob er sich an meinen Namen erinnerte.

Seine Strafe folgte stante pede.

An jenem Tag stand ich vor unserem Haus und goss Blumen, als Ch. mit quietschenden Bremsen auf seiner roten Vespa neben mir stehen blieb. Ich wurde knallrot, stammelte irgendetwas Unsinniges und goss statt der Blumen meine Hauspatschen. Wenigstens machte sich Ch. genauso zum Deppen. Er frage nämlich nicht nach einem Date, sondern nach meiner Mutter. Nein, nein – nicht was Sie denken! – die beiden waren nur im selben Verein, was, wie ich nachträglich erfuhr, nur der Vorwand für Ch. gewesen war, zu uns zu kommen. Weil mir das aber schon als 13-Jährige uncool vorkam, folge seine Strafe stante pede. Als er nach ihr fragte, war ich so verwirrt, dass ich ihn wortlos nach drinnen winkte. Ein Schrei löste mich aus meiner Erstarrung, und erst da fiel mir ein, dass meine Mutter nackt im Garten lag. Von wem der beiden der Schrei kam, weiß ich übrigens bis heute nicht.

 Duschen, irgendetwas anziehen, Gemächt zurechtrücken.

Danach fragte er mich trotzdem nach einem Date – was heute völlig unerwähnenswert schiene, wenn es nicht  genau der Punkt wäre, auf den ich hinaus will: Der Prozess eines Dates ist eigentlich unspannend. Wichtig ist die Phase davor: das Prickeln, die Nervosität und der offene Raum voller Möglichkeiten über einen Mann. Eine Verabredung vertreibt jedoch jede Phantasie und füllt diesen Raum mit Realität. Man merkt: Der ist gar nicht so toll. Nicht falsch verstehen: Ich mag Dates. Ich amüsiere mich köstlich über mich selbst, wenn ich in den Tagen davor zum postpubertären Psychomädchen mutiere. Es ist doch so: Ein Mann braucht dafür drei Minuten. Duschen, irgendetwas anziehen, Gemächt zurechtrücken. Ich indes gehe zum Frisör, kaufe fünf Garnituren Unterwäsche, will zehn Kilo abnehmen – und mir eine neue Persönlichkeit zulegen. Ich probiere tagelang verschiedene Outfits, lege mir drei Paar Schuhe zu und veranstalte zu Hause ein Date-Sitting, bei dem ich teste, in welchem Outfit meine Brüste nicht nur sympathisch präsentiert sind, sondern auch da bleiben, wo sie hingehören.

Und dann ist alles umsonst – egal ob mit 13 oder 31. Verhaltensmuster bleiben eben über Jahrzehnte genauso gültig wie das Deppentum manche Männer. Denn: Ich benehme mich zwar vor einer Verabredung wie ein Trottel – die meisten meiner Dates sind es jedoch wirklich! Und trotzdem: Ich werde es wieder so machen. Ein gescheitertes Date ist zwar mühsam, aber die euphorische Zeit davor macht jeden männlichen Fehlgriff wieder wett. Weil manchmal ein Vorspiel schöner sein kann als ein Höhepunkt.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 04/2009)