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Die, in der ich auf dem Klo bin, als mein Traummann auftaucht

Wissen Sie: Ich habe ja eine Theorie. Immer, wenn mein Traummann auftaucht, bin ich auf der Toilette. Dieser Fluch klebt an mir wie die Intellektuellen einst an Marcel Reich-Ranicki. Ich bin mir insgeheim ziemlich sicher, dass ein paar Partner meiner Freundinnen vom Schicksal eigentlich für mich bestimmt waren und stelle mir folgendes Szenario vor: Während ich auf der Toilette bin, tauchen immer wieder potentielle Traummännern auf. Wenn ich zurückkomme, stehen meine Freundinnen dann schon längst neben den knackigen Jungs und punkten bei ihnen. Das einzige, mit dem ich noch punkten kann, ist eine leere Blase. Weil die Natur mich aufs stille Örtchen treibt anstatt in die Arme meines Traummannes.

 Offenbar geht es beim Schicksal immer nur um das richtige Timing

Es ist doch so: Bei der Suche nach dem richtigen Mann bin ich so erfolgreich wie Armin Assinger im Versuch, hochdeutsch zu sprechen. Es ist eine Kombination aus Talentlosigkeit, schlechten Versuchen und einem boshaften Schicksal. Einmal hatte ich ein Date mit einem Typen, das richtig gut lief und in einer äußerst prickelnden Knutscherei endete. Siegessicher wartete ich auf seinen Anruf, der jedoch nie kam. Wochen später erfuhr ich die Ironie des Schicksals: Am Tag nach unserem Date hatte er einen Autounfall – eine Frau war ihm hinten rein gefahren, es war Liebe auf den ersten Blick, blabla und so weiter. Offenbar geht es beim Schicksal immer nur um das richtige Timing. Bei meinen Eltern war das ja auch so. Jahrelang hatten sie in derselben Firma gearbeitet, ohne sich kennen zu lernen. Bei einem Betriebsausflug passierte es dann, dass mein Vater seinen Reisepass vergessen hatte und einen späteren Bus nehmen musste. Und da setzte er sich zufällig neben meine Mutter. Der Rest ist Geschichte und das Geheimnis einer bald 35-jährigen Ehe.

 Hallo, bist du mein Schicksal?

Als ich letztens in einer Kneipe unterwegs war, kollidierte ich just vor dem  WC mit einem Typen. Nach einem blitzschnellen Abscannen merkte ich: Der gefällt mir. Das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit, denn er grinste mich an und wollte sich vorstellen. Doch als ich auf seine ausgestreckte Hand sah, fragte ich nicht: „Hallo, bist du mein Schicksal?“, sondern sagte flapsig, wie ich nun mal bin: „Ich hoffe, du hast dir die Hände gewaschen!“ Weil er es offenbar nicht getan hatte und sein Humor nebst sieben Bieren in der Kanalisation verschwunden war, räumte er peinlich berührt das Feld. Im Nachhinein meinte eine Freundin, dass ich selbst schuld dran sei, dass ich Single bin. Weil ich mit meiner Klappe alle Männer verschrecken würde. Dem widerspreche ich vehement: Der Mann, der für mich gemacht ist, hätte gelacht, sich die Hände gewaschen und mir dann ein Bier gezahlt. Und dann hätten wir aufs Schicksal getrunken, das mich doch nicht grundlos mit einer schwachen Blase ausgestattet hat. Weil man eben doch manchmal am richtigen (stillen) Ort ist.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 01/2009)