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Die, in der wir trotz Wurstsalat Freunde bleiben

Wissen Sie: Das erste Mal, als mich ein Mann verließ, war ich zwölf, hatte eine schreckliche Dauerwelle plus eine Vorliebe für blaue Wimperntusche, Matthias Reim und neonfarbene Moonboots. Damals war ich auf Schulskikurs in Heiligenblut, und man ging halt miteinander, also sagte ich Ja, als R. vor mir stand und fragte: „Willst du mit mir gehen?“ Das war natürlich eine Lüge, weil ich mit ihm nirgends hingehen wollte und er mir höchstens auf den Sack ging, aber der Druck war zu groß. Ich wollte nicht enden wie das armselige Streber-Würstchen aus meiner Klasse, das allen Mädchen eben diese Frage stellte, ein Nein nach dem anderen kassierte und irgendwann heulend schrie: „Scheiße, alle besetzt!“ Also ging ich mit R. in die Skikurs-Disko und tanzte einen romantischen Schleicher. Doch so oft ich mir sagte, wie toll es ist, einen Freund zu haben, dachte ich immer nur, dass er sich schleunigst schleichen sollte. Vielleicht spürte er das, vielleicht hätte ich meine neonfarbenen Moonboots ausziehen sollen, aber Fakt ist: Die Trennung nach drei Tagen Beziehung, die selbst eine Vier-Wochen-Ehefrau wie Verona Feldbusch-Bohlen-Pooth vor Neid hätte erblassen lassen, war mir recht. Denn das Aus nach drei Tagen Miteinandergehen, in denen unsere Kommunikation ohnehin nicht über schlabbrige Küsse nach dem mittäglichen Wurstsalat hinausging, war mir genau das – wurscht.

 Loveboat auf Ex

Danach erlebte ich mein erstes Mal. Im Schlussmachen. Warum, das weiß ich heute nicht mehr, nur so viel: Am einen Tag liefen Ch. und ich Hand in Hand durch St. Martin und wurden von älteren Damen als Romeo und Julia bezeichnet (hatten die das mit dem Gift vergessen?), am anderen saß ich mit meinen Freundinnen in einem Tretboot. Ch. hatte mich gesehen und war die weite Strecke von der KAC-Brücke zum Boot geschwommen – doch ich grinste nur fies, rief die drei berühmten Worte „Hau endlich ab!“, und er tauchte unter. Loveboat auf Ex sozusagen.

Das nächste Mal, als ich mich verliebte, ging es tiefer. Da war ich fünfzehn, hatte meine Dauerwelle genauso wie Matthias Reim für peinlich erklärt und war mir sicher, den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Ich erlebte das volle Programm. Eltern kennen lernen, Ich liebe dich-Sagen und Hardcore-Fummeln. Doch leider war er ein Fremdknutscher, der als Entschuldigung nur sagte: „Lass uns Freunde bleiben“. Genauso gut hätte er mir das Herz aus der Brust schneiden und darauf Tango tanzen können. Und ich versprach mir, diese vier Worte niemals zu sagen. Das schwor ich auf den Wurstsalat in Heiligenblut.

 Lass uns Freunde bleiben

Aber eines Tages trafen sie mich doch hinterrücks. Indem sie in meinem Mund auftauchten und unbedingt raus wollten. So wie im Geschäft meines Vertrauens, wo die anderen vier berühmten Worte „Ich liebe diese Schuhe“ regelmäßig aus mir raus platzen, ehe ich überhaupt meine Kreditkarte zücken kann. So ähnlich lief es mit P., mit dem ich fünf Jahre zusammen gewesen war. Eines Tages war die Liebe zu klein geworden, um groß zu sein. Und mitten im Stammeln, Stottern und dem kläglichen Versuch, Schluss machen, platzte es raus: „Lass uns Freunde bleiben.“ Er lachte bitter, war gekränkt, schmollte und litt. Doch dann rief er mich nach Monaten eines Tages an. Und meldete sich immer wieder. Und eines Tages, als ich am wenigsten damit gerechnet hatte, sagt er tatsächlich: „Lass uns Freunde bleiben“. Und wir sind es heute noch und werden es bleiben – auch das schwöre ich auf den Wurstsalat in Heiligenblut!


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 09/2008)

Die, in der ein Vorspiel schöner ist als ein Höhepunkt

Wissen Sie: An dem Tag, als mich ein Junge das erste Mal um ein Date bat, war ich dreizehn, trug ein Frottée-Top, das aussah wie überdimensionaler Waschlappen, und überlegte verzweifelt, wie ich meiner Mutter den neuerlichen Fünfer in Mathe beichten sollte. Und ich war frisch verknallt in Ch., den ich beim Volkstanzen kennengelernt hatte. Ich fuhr das übliche pubertäre Programm irrationaler Verliebtheit: Seinen Vornamen verschnörkelt auf Schulhefte malen, seinen Nachnamen mit meinem Vornamen kombinieren plus dümmlichem Gekicher mit meinen Freundinnen, wenn sein Name überhaupt fiel. Das Problem dabei: Ich wusste nicht mal, ob er sich an meinen Namen erinnerte.

Seine Strafe folgte stante pede.

An jenem Tag stand ich vor unserem Haus und goss Blumen, als Ch. mit quietschenden Bremsen auf seiner roten Vespa neben mir stehen blieb. Ich wurde knallrot, stammelte irgendetwas Unsinniges und goss statt der Blumen meine Hauspatschen. Wenigstens machte sich Ch. genauso zum Deppen. Er frage nämlich nicht nach einem Date, sondern nach meiner Mutter. Nein, nein – nicht was Sie denken! – die beiden waren nur im selben Verein, was, wie ich nachträglich erfuhr, nur der Vorwand für Ch. gewesen war, zu uns zu kommen. Weil mir das aber schon als 13-Jährige uncool vorkam, folge seine Strafe stante pede. Als er nach ihr fragte, war ich so verwirrt, dass ich ihn wortlos nach drinnen winkte. Ein Schrei löste mich aus meiner Erstarrung, und erst da fiel mir ein, dass meine Mutter nackt im Garten lag. Von wem der beiden der Schrei kam, weiß ich übrigens bis heute nicht.

 Duschen, irgendetwas anziehen, Gemächt zurechtrücken.

Danach fragte er mich trotzdem nach einem Date – was heute völlig unerwähnenswert schiene, wenn es nicht  genau der Punkt wäre, auf den ich hinaus will: Der Prozess eines Dates ist eigentlich unspannend. Wichtig ist die Phase davor: das Prickeln, die Nervosität und der offene Raum voller Möglichkeiten über einen Mann. Eine Verabredung vertreibt jedoch jede Phantasie und füllt diesen Raum mit Realität. Man merkt: Der ist gar nicht so toll. Nicht falsch verstehen: Ich mag Dates. Ich amüsiere mich köstlich über mich selbst, wenn ich in den Tagen davor zum postpubertären Psychomädchen mutiere. Es ist doch so: Ein Mann braucht dafür drei Minuten. Duschen, irgendetwas anziehen, Gemächt zurechtrücken. Ich indes gehe zum Frisör, kaufe fünf Garnituren Unterwäsche, will zehn Kilo abnehmen – und mir eine neue Persönlichkeit zulegen. Ich probiere tagelang verschiedene Outfits, lege mir drei Paar Schuhe zu und veranstalte zu Hause ein Date-Sitting, bei dem ich teste, in welchem Outfit meine Brüste nicht nur sympathisch präsentiert sind, sondern auch da bleiben, wo sie hingehören.

Und dann ist alles umsonst – egal ob mit 13 oder 31. Verhaltensmuster bleiben eben über Jahrzehnte genauso gültig wie das Deppentum manche Männer. Denn: Ich benehme mich zwar vor einer Verabredung wie ein Trottel – die meisten meiner Dates sind es jedoch wirklich! Und trotzdem: Ich werde es wieder so machen. Ein gescheitertes Date ist zwar mühsam, aber die euphorische Zeit davor macht jeden männlichen Fehlgriff wieder wett. Weil manchmal ein Vorspiel schöner sein kann als ein Höhepunkt.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 04/2009)

Die, in der niemand über schlechten Sex lachen will

Wissen Sie: Als ich dreizehn war, verliebte ich mich im Ferienlager unsterblich in B. Doch nach drei Tage Beziehung kam es zum peinlichen Showdown. Er besuchte mich in meinem Zimmer, aber da ich es mit vier anderen Mädchen teilte, zogen wir uns auf den Balkon zurück. Die Sterne über uns strahlten, wir lauschten in die Stille der Nacht und küssten uns – bis die Ruhe deutlich hörbar unterbrochen wurde, als mein Magen rebellierte und ich B. in den Mund rülpste. Danach küsste er mich nicht mehr. Weil wir den Fehler machten, die Panne tot zu schweigen, anstatt uns darüber lustig zu machen. Denn Sex ist, wenn man trotzdem lacht. Vor allem über sich selbst.

Während ich meine blauen Flecke zählte und hysterisch gackerte, drehte er sich verschämt zur Seite und zweifelte an seiner Manneskraft.

So wie unlängst beim Jahreswechsel, als es im Freundeskreis wieder mal um Sex ging. Und ich musste die Hose runterlassen und gestehen, dass ich genau diese im Jahr 2007 immer anbehalten hatte. „Um meine Sex-Quote von 2007 zu verdoppeln, muss ich 2008 nur einmal Sex haben“, sagte ich feixend und lachte herzhaft über mich. Und nahm mir vor, dass im neuen Jahr alles anders werden würde. Sex noch dieses Jahr! Das dachte ich zumindest. Ich verbrachte kürzlich ein Wochenende bei einem Bekannten. Wir waren unterwegs auf Kneipen-Tour und hatten bald mehr Promille als Paris Hilton Gehirnwindungen, bis wir irgendwann in seinem Schlafzimmer endeten beim hoffnungsvollen Versuch, Sex zu haben. Doch offenbar lag Murphy’s Gesetz zwischen uns, denn alles ging schief, was schief gehen kann. Mein linkes Knie krachte gegen seine Nase, sein Kopf donnerte gegen mein Kinn, und als er mich nach weiter oben im Bett schob, um mich nach allen Regeln der Kunst zu lieben, knallte er meinen Kopf gegen die holzvertäfelte Wand, dass ich mehr Sternchen sah, als bei RTL je interviewt wurden. Und wieder passierte das, was mir als 13-Jährige widerfahren war. Er konnte nicht darüber lachen. Während ich meine blauen Flecke zählte, hysterisch gackerte und im Geiste diese Kolumne formulierte, drehte er sich verschämt zur Seite und zweifelte an seiner Manneskraft.

Die einzige Größe, auf die es im Bett ankommt, ist Humor!

Weil in dieser Nacht nichts mehr groß wurde außer seinen Komplexen, verkniff ich mir jedes weitere Herumulken – bis zum nächsten Abend. Wir waren mit seinen Freunden essen, ich prostete ihm zu. Da brachte er die Plattitüde: „Schau mir in die Augen, sonst hast du sieben Jahre schlechten Sex“. Und ich konterte: „Ich dachte, das hatten wir schon gestern!“ Zufällig saß Murphy’s Gesetz erneut neben uns, sodass nicht nur er, sondern all seine Freunde meine Aussage hörten und mich für den Rest des Abends eisern anschwiegen und mieden, als wäre ich die Brut Satans. Und ich frage mich: Warum können Männer bloß nicht über Pannen im Bett lachen? Die einzige Größe, auf die es dort ankommt, ist doch Humor!

Sex 2008? Von wegen. Er hat sich seit diesen Tagen nicht mehr gemeldet. Vielleicht habe ich es verdient. Aber vielleicht hätte er einfach mit Humor ins Bett gehen sollen statt mit mir.


 

(Erschienen in: „CHICA“, Ausgabe 02/2008)