Getagged: Männer

Die, in der ich eine unheilbare Geschlechtskrankheit vortäusche

Wissen Sie: Es heißt ja, dass bei einer Frau ab 30 die Wahrscheinlichkeit größer ist, von einem Terroristen erschossen zu werden, als einen Partner zu finden. Als ich unlängst jenen schicksalsschwangeren Geburtstag feierte, kam ich also nicht umhin, mich zwiegespalten zu fühlen, da ich von da an in jedem sich mir nähernden Man entweder einen potentiellen Traummann oder einen Terroristen vermute. Beides setzt mich seitdem etwas unter Druck. Weil ich mir gerne Zeit lassen würde – beim Verlieben und beim Sterben. Trotzdem hatte ich das dringende Gefühl, gegen diese Statistik anzustinken und einen Partner zu finden, bevor ich eines Tages erschossen werde. Daher ließ ich mich auf ein Experiment ein – und datete blind, also ohne den jeweiligen Mann vorher zu kennen. Seitdem ergänze ich das Sprichwort „Liebe macht blind“ mit „Blind Dates machen blinder“. Lesen Sie selbst, warum.

 Zukunftspläne mit Haus, Hund und Hometrainer

Blind Date 1: Typ Langzeit-Single (der schlimmste Kandidat, weil er es nicht aus Passion ist, sondern keine andere Frau ihn haben will). Die miesesten Voraussetzungen für ein Date, was mir jede weitere Ausführung des Abends erspart. Vielleicht soviel: Er wollte mich sofort heiraten. Auf der Stelle und mit allem drum und dran. Als er mich beim Kellner seines Vertrauens als Verlobte vorstellte, versuchte ich, ihn mir schön zu trinken, doch ich scheiterte kläglich, da seine Zukunftspläne mit Haus, Hund und Hometrainer mich chronisch ernüchterten. Ich sagte Ja, als er mich nach vererbbaren Geisteskrankheiten in meiner Familie fragte, und als er noch immer unser Leben plante, täuschte ich eine unheilbare Geschlechtskrankheit vor. Danach brachte er mich schnell nach Hause.

Blind Date 2: Typ Lonesome Cowboy. Eine zufällige Bekanntschaft aus dem Zug und so gut aussehend, dass ich heimlich überlegte, wie es wäre, von der Bahn wegen sexueller Belästigung verhaftet zu werden. Ich hatte aber meine Hormone unter Kontrolle und verabredete mich mit ihm – mit Kribbeln im Bauch und der Hoffnung, dass er ein Vielleicht ist. Aber: Je früher die Peinlichkeiten, umso schlimmer das Date. Es war Valentinstag, als wir uns trafen, und da wir dieses Detail vergessen hatten, waren die ersten Minuten des Abends äußerst unangenehm, da der italienische Kellner in minutenlangen Arien das Liebesmenü des Abends anpries, das nicht nur teuer war, sondern auch aphrodisierend wirken sollte, was er mehrmals betonte und uns die Schamesröte ins Gesicht trieb. Der Rest des Abends, also eigentlich unser komplettes Date, war steif und endete mit einem Händedruck und seinen Worten „Wir bleiben in Kontakt“, was in etwa dasselbe ist, wie eine unheilbare Geschlechtskrankheit vorzutäuschen.

Was lernen wir daraus? Dass sich Liebe nicht planen lässt. Sie schlägt dann ein, wenn es vorgesehen ist, egal ob bei Blind Dates oder bei der zehnten Verabredung. Momentan verzichte ich auf Blind Dates. Ich will den Mann, der ein mögliches Vielleicht ist, zumindest ein kleines bisschen kennen, damit ich einschätzen kann, was mich erwartet. Lieber lasse ich mir im Vorfeld durch Sicherheits-Telefonate oder -Mails die Augen öffnen und verliere dabei einen kleinen Hauch Spannung, als nochmals so „blind“ überrascht zu werden.


 

(Erschienen in: „CHICA“, Ausgabe 02/2009)

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Die, in der manche Typen zur Weihnachtszeit der Herbergssuche eine neue Bedeutung geben

Wissen Sie: Es ist ja Weihnachtszeit und damit auch die Zeit von unzähligen Weihnachtsfeiern. Egal ob Firma, Familie oder Freunde: Überall alkoholgeschwängerte Stimmung, Christkindlmarkt, Glühwein, Kampftrinken und vieles mehr. Man kommt nicht dran vorbei, gesellig zu sein und sich umringt von partyfreudigen Menschen auf das schönste Fest des Jahres zu freuen. Der Haken daran: Anstatt besinnlich zu sein, wird sich nur besinnungslos besoffen. „Stille Nacht, heilge Nacht“? Wohl eher „Ihr Trottelein kommet“.

Und nein, erst recht nicht will ich es auch!

Begibt man sich als Frau in der Weihnachtszeit ins pulsierende Nachtleben, trifft man auf diese Szenerie: Männer, die krampfhaft braten, baggern und balzen und auf der Suche nach einem warmen Bettchen der ursprünglichen Herbergssuche eine neue Bedeutung geben. Männer, die von sich denken, dass sie das schönste Geschenk auf Erden sind; allerdings ein Geschenk, das ich nicht mal auspacken muss, um zu erkennen: Es ist Schrott. Umtausch sowieso ausgeschlossen. Am schlimmsten sind aber sind all die abgedroschenen Flirtattacken, denen Frau geballt in der Weihnachtszeit ausgesetzt ist. Nein, wir kennen uns nicht, nein, dieser Platz ist nicht frei, nein, ich komme nicht oft hier her, nein, wir gehen weder zu dir noch zu mir, nein, mein Kleid würde sich nicht gut auf deinem Schlafzimmerboden machen, nein, mein Vater ist kein Dieb und hat Sterne vom Himmel gestohlen, um sie mir in die Augen zu setzen, und nein, erst recht nicht will ich es auch! Das Schlimme ist: Es gibt kein Entrinnen. Egal, wo man in einem Lokal steht: Überall ist dieses spezielle Exemplar Mann, das sich für Gottes größte Schöpfung hält, aber höchstens meine Geduld erschöpft. Und mir das Gefühl gibt, da draußen laufen nur Männer rum, die vier Gehirnwindungen oder Promille davon entfernt sind, sich in Pete Doherty zu verwandeln. Sie wollen Beispiele? Bitte sehr:

Ein Lokal in Wien. Mein Blick ist nach ein paar Gläschen zwar verschwommen, aber mein Verstand noch einigermaßen scharf. Allerdings nicht so scharf wie der Mann neben mir meint zu sein. Seit 15 Minuten redet er in einer Endlosschleife, ganz der Typ Philosphie-Student: viel heiße Luft, die mich kalt lässt. „Ich betrachte die Dinge anders als alle anderen“, meint er klugscheißend, rutscht auf seinem Barhocker immer weiter zu mir und beendet seinen Redefluss mit „Weißt du, ich bin dennoch ein Realist“. Ich hebe eine Augenbraue und sage: „Warum sitzt du dann noch neben mir?“

Ein Lokal in Klagenfurt. Neben mir ein Anzugträger, ein bisschen zu glatt, ein bisschen zu rasiert, ganz der Typ erfolgreicher Businesskerl: großes Auto, großes Konto, große Klappe. Er summt die Fahrstuhlmusik im Hintergrund mit, lässt seinen Scotch-Nebel-Blick über die Theke gleiten und bleibt an mir hängen. Lächelt breit, ein wenig dümmlich, schiebt sich zu mir, mustert mich von oben bis unten. Haucht eine Anmachplattitüde und wartet tatsächlich auf Antwort. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und lasse ihn reden. Er hat die Sprache eines  5-Jährigen und sagt „mega“ und „geil“ und schließt jeden Satz mit „oder so“. Er fühlt sich ob meines Schweigens siegessicher und beendet seinen Monolog mit „Weißt du, ich steh voll auf Persönlichkeit und so.“ Ich stehe auf und sage: „Dann leg dir doch eine zu!“


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 11/2008)

Die, in der meine Mutter mich verlobt

Wissen Sie: Der große Tag jährt sich diesen Frühling zum dritten Mal. Der Tag, an dem ich beschloss, dass ich ohne meinen Freund besser dran wäre. Und zack – plötzlich war ich Single. Ein seltsames Gefühl, hatte ich doch die neun Jahre davor beinahe übergangslos in zwei Beziehungen verbracht. Damals dachte ich euphorisch, ein neues Leben fängt an. Ich träumte davon, von Männern umschwärmt zu werden wie Helmut Elsner von seinen Gefängniswärtern, ich sah mich nächtelang flirten und am Morgen danach mit einem arroganten Gesichtsausdruck sagen: „Egal, wie du heißt, kannst du bitte gehen?“. Verliebte Männer, verführerische One-Night-Stands und an jedem Finger ein Lover. DAS wollte ich erleben. Und was ist passiert? Nichts.

 ‚Wirklich? Nur eine Person?‘

Erkenntnis Nummer 1: Ich funktioniere gut als Single. Ich bin mein eigener Mann im Haus, der die Hosen anhat – wer soll da noch die Chance haben, eben diese auszuziehen, um seinen Mann bei mir zu stehen? Erkenntnis Nummer 2: Die Welt sieht das anders. Denn offenbar ist man nur im Doppelpack etwas wert. Egal, wo ich mich alleine zeige – im Alltag, im Urlaub, im Nachtleben – ich ernte regelmäßig ein abfälliges Lächeln. „Ein Tisch für eine Person?“ wird da von Kellnern mit hoch gezogener Augenbraue gesagt. Ein kurzes Abscannen meiner Person, inklusive der gönnerhaften Erkenntnis, dass ich doch gar nicht alleine sein müsste, anschließend die zweite Nachfrage: „Wirklich? Nur eine Person?“ Natürlich so laut, dass ein gut gefülltes Lokal inklusive Belegschaft mir den bestellten Martini statt mit einer Olive mit einer großen Portion Mitleid serviert. Erkenntnis Nummer 3: Ich werde verfolgt von der Botschaft, dass man nur zu zweit funktioniert. Meine Kreditkartenfirma erfreut mich regelmäßig mit lästigen Anrufen, so auch unlängst. „Frau Kreulitsch, wir haben ein einzigartiges Angebot für Sie“, wird da in den Hörer gesäuselt. „Als treue Kundin haben Sie jetzt die Möglichkeit, kostenlos eine Kreditkarte für Ihren Partner zu bestellen“, quiekt die Mitarbeiterin mit der Euphorie eines frisch begatteten Kaninchens in den Hörer und wartet auf meinen Jubelschrei. „Bekomme ich den Partner dazu?“ frage ich trocken und ersticke jede weitere Diskussion im Keim. Angebotus interruptus sozusagen.

 ‚Kind, du bist verlobt!‘

Amüsant sind auch meine werten Erzeuger, die ihrerseits 35 Jahre verheiratet sind und das Singledasein der neuen Generation, wie ich es lebe, so nicht kennen. Meine Eltern haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass es mich nur im Einzelpack gibt. Das hindert sie aber nicht daran, sich über mich lustig zu machen. Vor allem meine Mutter. Letztes Jahr rief mich eines Nachts bierselig an und rief in den Hörer: „Kind, du bist verlobt!“ Als ich irritiert nachhakte, erzählte sie mir, dass sie gerade einen tollen Mann kennen gelernt hatte. Kärntner Unternehmer: gut aussehend, gut situiert, gut im Bett (und gut in seiner Selbstüberschätzung). Er  war so begeistert von meiner Mutter, dass er ihr sagte: „Wenn Ihre Tochter nur halb so ist wie Sie, werde ich sie heiraten“. Seitdem bin ich verlobt. Single, aber versprochen – Sie verstehen? Zuschriften von interessierten Kärntnern mit ähnlichen Attributen also wieder mal zwecklos. Aber falls Sie Interesse haben: Meine Mutter geht sicher gerne auf ein Bier mit Ihnen!


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 05/2009)

Die, in der ich auf dem Klo bin, als mein Traummann auftaucht

Wissen Sie: Ich habe ja eine Theorie. Immer, wenn mein Traummann auftaucht, bin ich auf der Toilette. Dieser Fluch klebt an mir wie die Intellektuellen einst an Marcel Reich-Ranicki. Ich bin mir insgeheim ziemlich sicher, dass ein paar Partner meiner Freundinnen vom Schicksal eigentlich für mich bestimmt waren und stelle mir folgendes Szenario vor: Während ich auf der Toilette bin, tauchen immer wieder potentielle Traummännern auf. Wenn ich zurückkomme, stehen meine Freundinnen dann schon längst neben den knackigen Jungs und punkten bei ihnen. Das einzige, mit dem ich noch punkten kann, ist eine leere Blase. Weil die Natur mich aufs stille Örtchen treibt anstatt in die Arme meines Traummannes.

 Offenbar geht es beim Schicksal immer nur um das richtige Timing

Es ist doch so: Bei der Suche nach dem richtigen Mann bin ich so erfolgreich wie Armin Assinger im Versuch, hochdeutsch zu sprechen. Es ist eine Kombination aus Talentlosigkeit, schlechten Versuchen und einem boshaften Schicksal. Einmal hatte ich ein Date mit einem Typen, das richtig gut lief und in einer äußerst prickelnden Knutscherei endete. Siegessicher wartete ich auf seinen Anruf, der jedoch nie kam. Wochen später erfuhr ich die Ironie des Schicksals: Am Tag nach unserem Date hatte er einen Autounfall – eine Frau war ihm hinten rein gefahren, es war Liebe auf den ersten Blick, blabla und so weiter. Offenbar geht es beim Schicksal immer nur um das richtige Timing. Bei meinen Eltern war das ja auch so. Jahrelang hatten sie in derselben Firma gearbeitet, ohne sich kennen zu lernen. Bei einem Betriebsausflug passierte es dann, dass mein Vater seinen Reisepass vergessen hatte und einen späteren Bus nehmen musste. Und da setzte er sich zufällig neben meine Mutter. Der Rest ist Geschichte und das Geheimnis einer bald 35-jährigen Ehe.

 Hallo, bist du mein Schicksal?

Als ich letztens in einer Kneipe unterwegs war, kollidierte ich just vor dem  WC mit einem Typen. Nach einem blitzschnellen Abscannen merkte ich: Der gefällt mir. Das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit, denn er grinste mich an und wollte sich vorstellen. Doch als ich auf seine ausgestreckte Hand sah, fragte ich nicht: „Hallo, bist du mein Schicksal?“, sondern sagte flapsig, wie ich nun mal bin: „Ich hoffe, du hast dir die Hände gewaschen!“ Weil er es offenbar nicht getan hatte und sein Humor nebst sieben Bieren in der Kanalisation verschwunden war, räumte er peinlich berührt das Feld. Im Nachhinein meinte eine Freundin, dass ich selbst schuld dran sei, dass ich Single bin. Weil ich mit meiner Klappe alle Männer verschrecken würde. Dem widerspreche ich vehement: Der Mann, der für mich gemacht ist, hätte gelacht, sich die Hände gewaschen und mir dann ein Bier gezahlt. Und dann hätten wir aufs Schicksal getrunken, das mich doch nicht grundlos mit einer schwachen Blase ausgestattet hat. Weil man eben doch manchmal am richtigen (stillen) Ort ist.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 01/2009)

Die, in der ein Vorspiel schöner ist als ein Höhepunkt

Wissen Sie: An dem Tag, als mich ein Junge das erste Mal um ein Date bat, war ich dreizehn, trug ein Frottée-Top, das aussah wie überdimensionaler Waschlappen, und überlegte verzweifelt, wie ich meiner Mutter den neuerlichen Fünfer in Mathe beichten sollte. Und ich war frisch verknallt in Ch., den ich beim Volkstanzen kennengelernt hatte. Ich fuhr das übliche pubertäre Programm irrationaler Verliebtheit: Seinen Vornamen verschnörkelt auf Schulhefte malen, seinen Nachnamen mit meinem Vornamen kombinieren plus dümmlichem Gekicher mit meinen Freundinnen, wenn sein Name überhaupt fiel. Das Problem dabei: Ich wusste nicht mal, ob er sich an meinen Namen erinnerte.

Seine Strafe folgte stante pede.

An jenem Tag stand ich vor unserem Haus und goss Blumen, als Ch. mit quietschenden Bremsen auf seiner roten Vespa neben mir stehen blieb. Ich wurde knallrot, stammelte irgendetwas Unsinniges und goss statt der Blumen meine Hauspatschen. Wenigstens machte sich Ch. genauso zum Deppen. Er frage nämlich nicht nach einem Date, sondern nach meiner Mutter. Nein, nein – nicht was Sie denken! – die beiden waren nur im selben Verein, was, wie ich nachträglich erfuhr, nur der Vorwand für Ch. gewesen war, zu uns zu kommen. Weil mir das aber schon als 13-Jährige uncool vorkam, folge seine Strafe stante pede. Als er nach ihr fragte, war ich so verwirrt, dass ich ihn wortlos nach drinnen winkte. Ein Schrei löste mich aus meiner Erstarrung, und erst da fiel mir ein, dass meine Mutter nackt im Garten lag. Von wem der beiden der Schrei kam, weiß ich übrigens bis heute nicht.

 Duschen, irgendetwas anziehen, Gemächt zurechtrücken.

Danach fragte er mich trotzdem nach einem Date – was heute völlig unerwähnenswert schiene, wenn es nicht  genau der Punkt wäre, auf den ich hinaus will: Der Prozess eines Dates ist eigentlich unspannend. Wichtig ist die Phase davor: das Prickeln, die Nervosität und der offene Raum voller Möglichkeiten über einen Mann. Eine Verabredung vertreibt jedoch jede Phantasie und füllt diesen Raum mit Realität. Man merkt: Der ist gar nicht so toll. Nicht falsch verstehen: Ich mag Dates. Ich amüsiere mich köstlich über mich selbst, wenn ich in den Tagen davor zum postpubertären Psychomädchen mutiere. Es ist doch so: Ein Mann braucht dafür drei Minuten. Duschen, irgendetwas anziehen, Gemächt zurechtrücken. Ich indes gehe zum Frisör, kaufe fünf Garnituren Unterwäsche, will zehn Kilo abnehmen – und mir eine neue Persönlichkeit zulegen. Ich probiere tagelang verschiedene Outfits, lege mir drei Paar Schuhe zu und veranstalte zu Hause ein Date-Sitting, bei dem ich teste, in welchem Outfit meine Brüste nicht nur sympathisch präsentiert sind, sondern auch da bleiben, wo sie hingehören.

Und dann ist alles umsonst – egal ob mit 13 oder 31. Verhaltensmuster bleiben eben über Jahrzehnte genauso gültig wie das Deppentum manche Männer. Denn: Ich benehme mich zwar vor einer Verabredung wie ein Trottel – die meisten meiner Dates sind es jedoch wirklich! Und trotzdem: Ich werde es wieder so machen. Ein gescheitertes Date ist zwar mühsam, aber die euphorische Zeit davor macht jeden männlichen Fehlgriff wieder wett. Weil manchmal ein Vorspiel schöner sein kann als ein Höhepunkt.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 04/2009)

Die, in der mich manche Männer mit Geld, Großzügigkeit oder gigantischen Genitalien beeindrucken wollen

Wissen Sie: Manchmal gibt es im Leben einer Frau den Moment, wo sie sich zwischen mehreren Männern entscheiden muss. Klingt schmeichelhaft, ist es aber nicht. Weil zwar geflirtet, gebalzt und (hoch)gestapelt wird, aber leider auch geblendet. So ergeht es allen Frauen irgendwann mal – ich bin da keine Ausnahme. Denn leider ist es so: Aus einer Handvoll Entscheidungsmöglichkeiten, von denen alle bescheiden sind, ist die Wahl, die man trifft, noch immer – ähm: falsch.

Schurke, ich werde dich mit dem Säbel niedermetzeln  – dann ist Mylady Kreulitsch mein!

Klar, heutzutage sind wir emanzipiert und pochen auf unser Recht, selbst zu wählen. Das soll auch so sein, keine Frage. Und dennoch: Insgeheim lasse ich mich gerne erobern. Da sich jedoch Verhaltensrituale, Balzkodex und  Sozialkompetenz im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelt haben und pseudo-männliche Entscheidungshilfen in mittelalterlicher Duell-Manier („Schurke, ich werde dich mit dem Säbel niedermetzeln  – dann ist Mylady Kreulitsch mein!“) nicht mehr gültig sind, hat frau heute selbst die Wahl, mit wem sie in eine gemeinsame Zukunft, ins Bett oder ins Verderben geht.

Theoretisch ist das Umworben werden von mehreren Männern eine hübsche Vorstellung, da Balsam fürs Ego. Praktisch ist diese Entscheidung jedoch mindestens genauso schwierig wie die in der anstehenden Landtagswahl. Gerade heute hat man oft den Eindruck, dass es nicht um die beste Wahl, sondern um das geringste Übel geht und aus einem seriösen Wahlkampf eine groteske Posse wird: Vorhang auf! Sie hören: unhaltbare Versprechen! Sie sehen: politische Verbrecher (und lachen über deren Versprecher)! Denn Männer machen gerne Theater und plustern sich auf. Schlimmer als jeder Pfau und egal, ob es um einen Rivalen in der Liebe oder einen Kontrahenten in der Politik geht. Wenn sie sich der alleinigen Gunst einer Frau nicht gewiss sind, neigen sie dazu, wie Politiker im Wahlkampf ihrer beste Seite in den Himmel zu erheben, um ihre schlechten zu vertuschen.

Eine schöne Optik und zwölf Zentimeter sind eben nicht alles.

Glauben Sie mir: Ich habe Männer getroffen, die mich mit Geld, Großzügigkeit oder gigantischen Genitalien beeindrucken wollten. Und ja, ich bin darauf reingefallen. Stellen Sie mir 100 Männer vor. Ich garantiere Ihnen: Ich finde das Arschloch – und verliebe mich. Mein Talent für den falschen Mann ist mindestens genauso groß wie das für falsche Schuhe. Im Regal sehen sie wunderschön aus, aber wenn ich sie trage, tun sie mir weh und ich laufe in mein Unglück. Eine schöne Optik und zwölf Zentimeter sind eben nicht alles.

Deshalb bin ich heute Single. Weil ich künftig bedacht wählen will anstatt übereilt. Ich habe gelernt: erst denken, dann wählen. Und vor allem: zwei Mal hinschauen. Bei jedem Mann – und jedem Politiker. Denn ich will mich nicht mehr falsch entscheiden, um im Laufe von vier Jahren herauszufinden, dass der Held mit Heiligenschein doch nur ein Trottel mit Arschloch-Faktor war.

 

P.S.: Zuschriften von balzenden Politikern und anderen Männern nicht erwünscht!


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 03/2009)

Die, in der ich das Wort Hyperkortisolismus rückwärts rülpse

Wissen Sie: Als ich klein war, gab es nichts Schöneres, als krank zu sein. Den ganzen Tag auf der Couch vor dem Fernseher liegen, von meiner Mutter umsorgt werden und die „Bravo“ nicht heimlich lesen, sondern erlaubt, weil man als krankes Kind ja so bemitleidenswert ist, dass man pädagogische Grenzen sprengen kann. Doch sobald ich von zu Hause ausgezogen war und das erste Mal krank wurde, ohne dass sich jemand darum scherte, ob ich genug trinke und die „Bravo“ neben dem Bett liegen habe, wurde ich zwanghaft gesund. Wer sich selbst mal gleichzeitig Essigpatscherln an Händen und Füßen verpasst hat, weiß: Es macht keinen Spaß, in seinem eigenen Salat zu schmoren und in saurer Bettwäsche aufzuwachen. Seitdem bin ich chronisch gesund. Fantasien darüber, einen Tag lang wegen Kopfschmerzen im Bett liegen zu bleiben, habe ich selten. Das ist mein Alltag (schließlich bin ich freie Autorin).

 Wo ist die Pubertät, wenn man sie braucht?

Dafür traf es mich mit voller Wucht, als ich das erste Mal einen kranken Mann erlebte. Und wünsche mich postwendend in die Zeit zurück, in der Jungs doof, New Kids on the Block noch nicht aufgelöst und Schulterpolster so was von hip waren. Wo ist die Pubertät, wenn man sie braucht? Mein damaliger Freund P. war durchaus erwachsen, stand seinen Mann im Beruf, war eloquent, belesen, politisch engagiert. Aber wenn er sich einredete, krank zu werden, verpuffte jedes Grad seines Niveaus im eingebildeten Fieberwahn. Ein bisschen Halsweh? „Es war schön mit dir“, sagte er mit bebender Stimme, „aber es geht zu Ende mit mir.“ Ein bisschen Fieber? „Ich hab die Vogelgrippe“, flüsterte er pathetisch seufzend, „ich muss sterben“. Besonders unterhaltsam wurde es, wenn er versuchte, mit seiner Deppen-Logik seine angebliche Anamnese schlüssig zu reden. „Ich weiß, ich hab jetzt erst eine triefende Nase. Aber das kann schlimmer werden! Und dann rebelliert meine Lunge! Mein Herz! Meine Nieren! In drei Stunden könnte ich schon an einer Lungenentzündung gestorben sein!“ Dazu gab’s dann immer die übliche Show. Röcheln, rotzen, rumjammern – und ein Blick in meine Richtung á la „Du machst es wieder gut.“ Hallo? Wer bin ich denn? Zürich Kosmos?

Eines Tages konnte ich mich rächen. Ich hatte (unvorgetäuschte) Kopfschmerzen und sagte: „Schatz, mein Kopf tut weh – lass uns das vertagen“. Woraufhin er mir erklärte, es wäre wissenschaftlich erwiesen, dass Sex bei Kopfschmerzen die beste Medizin sei. Da konnte ich es mir nicht verkneifen zu sagen: „Schatz, jetzt sind es nur Kopfschmerzen, aber was ist, wenn es nach dem Sex ein Gehirntumor ist?“

Seitdem möchte ich werden wie meine Freundin S. Sie ist eine so starke Persönlichkeit, dass jeder Hypochonder in ihrer Nähe freiwillig pumperlgesund sein möchte. Über Männer, die permanent leiden, macht sie sich lustig, so auch vor einer Weile über einen Bekannten, der mehr Zeit seines Lebens in eingebildete Krankheiten investiert, als ich je benötigen würde, um das Wort Hyperkortisolismus rückwärts zu rülpsen. Eines Tages erfuhr sie, dass dieser Kerl gestorben war. Und sprach mir aus der Seele, als sie spontan rausplatze: „Jetzt übertreibt er aber!


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 12/2008)