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Die, in der mich manche Männer mit Geld, Großzügigkeit oder gigantischen Genitalien beeindrucken wollen

Wissen Sie: Manchmal gibt es im Leben einer Frau den Moment, wo sie sich zwischen mehreren Männern entscheiden muss. Klingt schmeichelhaft, ist es aber nicht. Weil zwar geflirtet, gebalzt und (hoch)gestapelt wird, aber leider auch geblendet. So ergeht es allen Frauen irgendwann mal – ich bin da keine Ausnahme. Denn leider ist es so: Aus einer Handvoll Entscheidungsmöglichkeiten, von denen alle bescheiden sind, ist die Wahl, die man trifft, noch immer – ähm: falsch.

Schurke, ich werde dich mit dem Säbel niedermetzeln  – dann ist Mylady Kreulitsch mein!

Klar, heutzutage sind wir emanzipiert und pochen auf unser Recht, selbst zu wählen. Das soll auch so sein, keine Frage. Und dennoch: Insgeheim lasse ich mich gerne erobern. Da sich jedoch Verhaltensrituale, Balzkodex und  Sozialkompetenz im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelt haben und pseudo-männliche Entscheidungshilfen in mittelalterlicher Duell-Manier („Schurke, ich werde dich mit dem Säbel niedermetzeln  – dann ist Mylady Kreulitsch mein!“) nicht mehr gültig sind, hat frau heute selbst die Wahl, mit wem sie in eine gemeinsame Zukunft, ins Bett oder ins Verderben geht.

Theoretisch ist das Umworben werden von mehreren Männern eine hübsche Vorstellung, da Balsam fürs Ego. Praktisch ist diese Entscheidung jedoch mindestens genauso schwierig wie die in der anstehenden Landtagswahl. Gerade heute hat man oft den Eindruck, dass es nicht um die beste Wahl, sondern um das geringste Übel geht und aus einem seriösen Wahlkampf eine groteske Posse wird: Vorhang auf! Sie hören: unhaltbare Versprechen! Sie sehen: politische Verbrecher (und lachen über deren Versprecher)! Denn Männer machen gerne Theater und plustern sich auf. Schlimmer als jeder Pfau und egal, ob es um einen Rivalen in der Liebe oder einen Kontrahenten in der Politik geht. Wenn sie sich der alleinigen Gunst einer Frau nicht gewiss sind, neigen sie dazu, wie Politiker im Wahlkampf ihrer beste Seite in den Himmel zu erheben, um ihre schlechten zu vertuschen.

Eine schöne Optik und zwölf Zentimeter sind eben nicht alles.

Glauben Sie mir: Ich habe Männer getroffen, die mich mit Geld, Großzügigkeit oder gigantischen Genitalien beeindrucken wollten. Und ja, ich bin darauf reingefallen. Stellen Sie mir 100 Männer vor. Ich garantiere Ihnen: Ich finde das Arschloch – und verliebe mich. Mein Talent für den falschen Mann ist mindestens genauso groß wie das für falsche Schuhe. Im Regal sehen sie wunderschön aus, aber wenn ich sie trage, tun sie mir weh und ich laufe in mein Unglück. Eine schöne Optik und zwölf Zentimeter sind eben nicht alles.

Deshalb bin ich heute Single. Weil ich künftig bedacht wählen will anstatt übereilt. Ich habe gelernt: erst denken, dann wählen. Und vor allem: zwei Mal hinschauen. Bei jedem Mann – und jedem Politiker. Denn ich will mich nicht mehr falsch entscheiden, um im Laufe von vier Jahren herauszufinden, dass der Held mit Heiligenschein doch nur ein Trottel mit Arschloch-Faktor war.

 

P.S.: Zuschriften von balzenden Politikern und anderen Männern nicht erwünscht!


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 03/2009)