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Die, in der ich eine unheilbare Geschlechtskrankheit vortäusche

Wissen Sie: Es heißt ja, dass bei einer Frau ab 30 die Wahrscheinlichkeit größer ist, von einem Terroristen erschossen zu werden, als einen Partner zu finden. Als ich unlängst jenen schicksalsschwangeren Geburtstag feierte, kam ich also nicht umhin, mich zwiegespalten zu fühlen, da ich von da an in jedem sich mir nähernden Man entweder einen potentiellen Traummann oder einen Terroristen vermute. Beides setzt mich seitdem etwas unter Druck. Weil ich mir gerne Zeit lassen würde – beim Verlieben und beim Sterben. Trotzdem hatte ich das dringende Gefühl, gegen diese Statistik anzustinken und einen Partner zu finden, bevor ich eines Tages erschossen werde. Daher ließ ich mich auf ein Experiment ein – und datete blind, also ohne den jeweiligen Mann vorher zu kennen. Seitdem ergänze ich das Sprichwort „Liebe macht blind“ mit „Blind Dates machen blinder“. Lesen Sie selbst, warum.

 Zukunftspläne mit Haus, Hund und Hometrainer

Blind Date 1: Typ Langzeit-Single (der schlimmste Kandidat, weil er es nicht aus Passion ist, sondern keine andere Frau ihn haben will). Die miesesten Voraussetzungen für ein Date, was mir jede weitere Ausführung des Abends erspart. Vielleicht soviel: Er wollte mich sofort heiraten. Auf der Stelle und mit allem drum und dran. Als er mich beim Kellner seines Vertrauens als Verlobte vorstellte, versuchte ich, ihn mir schön zu trinken, doch ich scheiterte kläglich, da seine Zukunftspläne mit Haus, Hund und Hometrainer mich chronisch ernüchterten. Ich sagte Ja, als er mich nach vererbbaren Geisteskrankheiten in meiner Familie fragte, und als er noch immer unser Leben plante, täuschte ich eine unheilbare Geschlechtskrankheit vor. Danach brachte er mich schnell nach Hause.

Blind Date 2: Typ Lonesome Cowboy. Eine zufällige Bekanntschaft aus dem Zug und so gut aussehend, dass ich heimlich überlegte, wie es wäre, von der Bahn wegen sexueller Belästigung verhaftet zu werden. Ich hatte aber meine Hormone unter Kontrolle und verabredete mich mit ihm – mit Kribbeln im Bauch und der Hoffnung, dass er ein Vielleicht ist. Aber: Je früher die Peinlichkeiten, umso schlimmer das Date. Es war Valentinstag, als wir uns trafen, und da wir dieses Detail vergessen hatten, waren die ersten Minuten des Abends äußerst unangenehm, da der italienische Kellner in minutenlangen Arien das Liebesmenü des Abends anpries, das nicht nur teuer war, sondern auch aphrodisierend wirken sollte, was er mehrmals betonte und uns die Schamesröte ins Gesicht trieb. Der Rest des Abends, also eigentlich unser komplettes Date, war steif und endete mit einem Händedruck und seinen Worten „Wir bleiben in Kontakt“, was in etwa dasselbe ist, wie eine unheilbare Geschlechtskrankheit vorzutäuschen.

Was lernen wir daraus? Dass sich Liebe nicht planen lässt. Sie schlägt dann ein, wenn es vorgesehen ist, egal ob bei Blind Dates oder bei der zehnten Verabredung. Momentan verzichte ich auf Blind Dates. Ich will den Mann, der ein mögliches Vielleicht ist, zumindest ein kleines bisschen kennen, damit ich einschätzen kann, was mich erwartet. Lieber lasse ich mir im Vorfeld durch Sicherheits-Telefonate oder -Mails die Augen öffnen und verliere dabei einen kleinen Hauch Spannung, als nochmals so „blind“ überrascht zu werden.


 

(Erschienen in: „CHICA“, Ausgabe 02/2009)

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Die, in der ich auf dem Klo bin, als mein Traummann auftaucht

Wissen Sie: Ich habe ja eine Theorie. Immer, wenn mein Traummann auftaucht, bin ich auf der Toilette. Dieser Fluch klebt an mir wie die Intellektuellen einst an Marcel Reich-Ranicki. Ich bin mir insgeheim ziemlich sicher, dass ein paar Partner meiner Freundinnen vom Schicksal eigentlich für mich bestimmt waren und stelle mir folgendes Szenario vor: Während ich auf der Toilette bin, tauchen immer wieder potentielle Traummännern auf. Wenn ich zurückkomme, stehen meine Freundinnen dann schon längst neben den knackigen Jungs und punkten bei ihnen. Das einzige, mit dem ich noch punkten kann, ist eine leere Blase. Weil die Natur mich aufs stille Örtchen treibt anstatt in die Arme meines Traummannes.

 Offenbar geht es beim Schicksal immer nur um das richtige Timing

Es ist doch so: Bei der Suche nach dem richtigen Mann bin ich so erfolgreich wie Armin Assinger im Versuch, hochdeutsch zu sprechen. Es ist eine Kombination aus Talentlosigkeit, schlechten Versuchen und einem boshaften Schicksal. Einmal hatte ich ein Date mit einem Typen, das richtig gut lief und in einer äußerst prickelnden Knutscherei endete. Siegessicher wartete ich auf seinen Anruf, der jedoch nie kam. Wochen später erfuhr ich die Ironie des Schicksals: Am Tag nach unserem Date hatte er einen Autounfall – eine Frau war ihm hinten rein gefahren, es war Liebe auf den ersten Blick, blabla und so weiter. Offenbar geht es beim Schicksal immer nur um das richtige Timing. Bei meinen Eltern war das ja auch so. Jahrelang hatten sie in derselben Firma gearbeitet, ohne sich kennen zu lernen. Bei einem Betriebsausflug passierte es dann, dass mein Vater seinen Reisepass vergessen hatte und einen späteren Bus nehmen musste. Und da setzte er sich zufällig neben meine Mutter. Der Rest ist Geschichte und das Geheimnis einer bald 35-jährigen Ehe.

 Hallo, bist du mein Schicksal?

Als ich letztens in einer Kneipe unterwegs war, kollidierte ich just vor dem  WC mit einem Typen. Nach einem blitzschnellen Abscannen merkte ich: Der gefällt mir. Das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit, denn er grinste mich an und wollte sich vorstellen. Doch als ich auf seine ausgestreckte Hand sah, fragte ich nicht: „Hallo, bist du mein Schicksal?“, sondern sagte flapsig, wie ich nun mal bin: „Ich hoffe, du hast dir die Hände gewaschen!“ Weil er es offenbar nicht getan hatte und sein Humor nebst sieben Bieren in der Kanalisation verschwunden war, räumte er peinlich berührt das Feld. Im Nachhinein meinte eine Freundin, dass ich selbst schuld dran sei, dass ich Single bin. Weil ich mit meiner Klappe alle Männer verschrecken würde. Dem widerspreche ich vehement: Der Mann, der für mich gemacht ist, hätte gelacht, sich die Hände gewaschen und mir dann ein Bier gezahlt. Und dann hätten wir aufs Schicksal getrunken, das mich doch nicht grundlos mit einer schwachen Blase ausgestattet hat. Weil man eben doch manchmal am richtigen (stillen) Ort ist.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 01/2009)

Die, in der ein Vorspiel schöner ist als ein Höhepunkt

Wissen Sie: An dem Tag, als mich ein Junge das erste Mal um ein Date bat, war ich dreizehn, trug ein Frottée-Top, das aussah wie überdimensionaler Waschlappen, und überlegte verzweifelt, wie ich meiner Mutter den neuerlichen Fünfer in Mathe beichten sollte. Und ich war frisch verknallt in Ch., den ich beim Volkstanzen kennengelernt hatte. Ich fuhr das übliche pubertäre Programm irrationaler Verliebtheit: Seinen Vornamen verschnörkelt auf Schulhefte malen, seinen Nachnamen mit meinem Vornamen kombinieren plus dümmlichem Gekicher mit meinen Freundinnen, wenn sein Name überhaupt fiel. Das Problem dabei: Ich wusste nicht mal, ob er sich an meinen Namen erinnerte.

Seine Strafe folgte stante pede.

An jenem Tag stand ich vor unserem Haus und goss Blumen, als Ch. mit quietschenden Bremsen auf seiner roten Vespa neben mir stehen blieb. Ich wurde knallrot, stammelte irgendetwas Unsinniges und goss statt der Blumen meine Hauspatschen. Wenigstens machte sich Ch. genauso zum Deppen. Er frage nämlich nicht nach einem Date, sondern nach meiner Mutter. Nein, nein – nicht was Sie denken! – die beiden waren nur im selben Verein, was, wie ich nachträglich erfuhr, nur der Vorwand für Ch. gewesen war, zu uns zu kommen. Weil mir das aber schon als 13-Jährige uncool vorkam, folge seine Strafe stante pede. Als er nach ihr fragte, war ich so verwirrt, dass ich ihn wortlos nach drinnen winkte. Ein Schrei löste mich aus meiner Erstarrung, und erst da fiel mir ein, dass meine Mutter nackt im Garten lag. Von wem der beiden der Schrei kam, weiß ich übrigens bis heute nicht.

 Duschen, irgendetwas anziehen, Gemächt zurechtrücken.

Danach fragte er mich trotzdem nach einem Date – was heute völlig unerwähnenswert schiene, wenn es nicht  genau der Punkt wäre, auf den ich hinaus will: Der Prozess eines Dates ist eigentlich unspannend. Wichtig ist die Phase davor: das Prickeln, die Nervosität und der offene Raum voller Möglichkeiten über einen Mann. Eine Verabredung vertreibt jedoch jede Phantasie und füllt diesen Raum mit Realität. Man merkt: Der ist gar nicht so toll. Nicht falsch verstehen: Ich mag Dates. Ich amüsiere mich köstlich über mich selbst, wenn ich in den Tagen davor zum postpubertären Psychomädchen mutiere. Es ist doch so: Ein Mann braucht dafür drei Minuten. Duschen, irgendetwas anziehen, Gemächt zurechtrücken. Ich indes gehe zum Frisör, kaufe fünf Garnituren Unterwäsche, will zehn Kilo abnehmen – und mir eine neue Persönlichkeit zulegen. Ich probiere tagelang verschiedene Outfits, lege mir drei Paar Schuhe zu und veranstalte zu Hause ein Date-Sitting, bei dem ich teste, in welchem Outfit meine Brüste nicht nur sympathisch präsentiert sind, sondern auch da bleiben, wo sie hingehören.

Und dann ist alles umsonst – egal ob mit 13 oder 31. Verhaltensmuster bleiben eben über Jahrzehnte genauso gültig wie das Deppentum manche Männer. Denn: Ich benehme mich zwar vor einer Verabredung wie ein Trottel – die meisten meiner Dates sind es jedoch wirklich! Und trotzdem: Ich werde es wieder so machen. Ein gescheitertes Date ist zwar mühsam, aber die euphorische Zeit davor macht jeden männlichen Fehlgriff wieder wett. Weil manchmal ein Vorspiel schöner sein kann als ein Höhepunkt.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 04/2009)

Die, in der die Liebe hinfällt

Wissen Sie: Der V. war neulich kurzfristig verliebt. Aber so richtig. Mit Herzchen in den Augen, die ihm so die Sicht verklärten, dass er voller post-pubertärer Phantasien und irrationaler Zukunftspläne einer gewissen Frau quasi blind einen Heiligenschein aufsetzte, obwohl er sie noch gar nicht mal nackt gesehen hatte. Abgekürzt heißt das: Der V. war sich sicher, seine Traumfrau gefunden zu haben, mit der er spätestens übermorgen einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und ein Kind zeugen wollte.

Der Rest des Lebens kann gar nicht schnell genug anfangen, wenn man verliebt ist!

Der V. und ich saßen also bei unserem Stammtisch beim ersten Bier und er schwärmte mir von besagter Traumfrau vor. Er hatte sie eine Woche zuvor auf einer Geburtstagsparty kennen gelernt und ein paar Stunden mit ihr geredet. Und im Laufe dieses Abends entschieden: Die oder keine! „Sie ist total humorvoll, hat eine angenehme Stimme, ist dunkelhaarig, zierlich und eher der natürliche Typ. Und obwohl wir beide genug getrunken hatten, hab ich mir alles von ihr gemerkt“, erzählte er. Ich fragte: „Und wie heißt sie?“ Er antwortete: „Keine Ahnung.“ Also bestellten wir das zweite Bier und beschlossen, dass Namen in einer Beziehung wirklich keine große Rolle spielen, viel wichtiger ist doch der gemeinsame Lebensraum. Den wollte der V. ihr zuliebe gleich nach Kärnten verlegen, obwohl sie in Wien sicher leichter einen neuen Job finden würde, aber aus Liebe geht man ja dahin, wo der andere ist, also hatte der V. in den letzten Tagen bereits über die Kündigung seiner Wohnung nachgedacht, tick tack, Sie wissen schon: Der Rest des Lebens kann gar nicht schnell genug anfangen, wenn man verliebt ist!

Erster Kuss, erster Geschlechtsverkehr, erster Antrag.

Beim dritten Bier kamen wir dann drauf, dass es doch eine Sache gibt, bei der das Wissen um ihren Vornamen ganz praktisch gewesen wäre. Nämlich als der V. schon leicht bierselig in seine Schaumkrone grinste und mich fragte: „Was meinst du – soll ich ihr morgen einen Verlobungsring mitbringen?“ Am nächsten Tag sollte er besagte Traumfrau nämlich treffen, und da wollte er dann ihre Beziehung vorantreiben, tick tack, und gleich alles auf einmal erledigen: erster Kuss, erster Geschlechtsverkehr, erster Antrag – und zwischendurch vielleicht nach ihrem Vornamen fragen. Bis dahin hatte er aber eine Idee. „Ich gravier einfach ‚Ich & du’ und ‚Du & ich’ in die Ringe“, schlug er freudig vor und genehmigte sich noch einen Schluck. Wer achtet schon auf so kleine Details, wenn man noch das ganze Leben miteinander vor sich hat? Als wir das vierte Bier bestellten, hatte der V. einen super Plan geschmiedet, wie er das Fehlen des Vornamens seiner zukünftigen Ehefrau kaschieren könnte. „Weißt du was?“, schlug er sinnierend vor, „Ich nenne sie einfach gleich Mutti. Wenn wir uns morgen eh verloben, ist sie übermorgen schwanger und im Jänner – tick tack – haben wir drei Kinder, dann nennt sie mich sicher nur mehr Vati und es fällt nicht auf, dass ich ihren Namen nicht weiß!“ Ich nickte nur noch in mein fünftes Bier und malte mir mein Kleid als Brautjungfer für den V. aus, während er überlegte, in welche Schule er seine drei Kinder stecken sollte – mit der Planung der Ausbildung des Nachwuchses kann man ja nicht früh genug beginnen, tick tack, sonst wird aus den kleinen Rackern ja nichts …

Am Tag nach dem Date rief mich der V. übrigens nicht an, um mich zu seiner Hochzeit einzuladen, sondern zu unserem nächsten Stammtisch, bei dem wir die Tatsache wegtrinken wollten, dass er die Verlobung gelöst hatte, ehe er sie um ihre Hand gebeten hatte. Ja ja, wenn die Liebe hinfällt … Aber ihren Namen, den wissen wir jetzt wenigstens.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 12/2012)