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Die, in der manche Typen zur Weihnachtszeit der Herbergssuche eine neue Bedeutung geben

Wissen Sie: Es ist ja Weihnachtszeit und damit auch die Zeit von unzähligen Weihnachtsfeiern. Egal ob Firma, Familie oder Freunde: Überall alkoholgeschwängerte Stimmung, Christkindlmarkt, Glühwein, Kampftrinken und vieles mehr. Man kommt nicht dran vorbei, gesellig zu sein und sich umringt von partyfreudigen Menschen auf das schönste Fest des Jahres zu freuen. Der Haken daran: Anstatt besinnlich zu sein, wird sich nur besinnungslos besoffen. „Stille Nacht, heilge Nacht“? Wohl eher „Ihr Trottelein kommet“.

Und nein, erst recht nicht will ich es auch!

Begibt man sich als Frau in der Weihnachtszeit ins pulsierende Nachtleben, trifft man auf diese Szenerie: Männer, die krampfhaft braten, baggern und balzen und auf der Suche nach einem warmen Bettchen der ursprünglichen Herbergssuche eine neue Bedeutung geben. Männer, die von sich denken, dass sie das schönste Geschenk auf Erden sind; allerdings ein Geschenk, das ich nicht mal auspacken muss, um zu erkennen: Es ist Schrott. Umtausch sowieso ausgeschlossen. Am schlimmsten sind aber sind all die abgedroschenen Flirtattacken, denen Frau geballt in der Weihnachtszeit ausgesetzt ist. Nein, wir kennen uns nicht, nein, dieser Platz ist nicht frei, nein, ich komme nicht oft hier her, nein, wir gehen weder zu dir noch zu mir, nein, mein Kleid würde sich nicht gut auf deinem Schlafzimmerboden machen, nein, mein Vater ist kein Dieb und hat Sterne vom Himmel gestohlen, um sie mir in die Augen zu setzen, und nein, erst recht nicht will ich es auch! Das Schlimme ist: Es gibt kein Entrinnen. Egal, wo man in einem Lokal steht: Überall ist dieses spezielle Exemplar Mann, das sich für Gottes größte Schöpfung hält, aber höchstens meine Geduld erschöpft. Und mir das Gefühl gibt, da draußen laufen nur Männer rum, die vier Gehirnwindungen oder Promille davon entfernt sind, sich in Pete Doherty zu verwandeln. Sie wollen Beispiele? Bitte sehr:

Ein Lokal in Wien. Mein Blick ist nach ein paar Gläschen zwar verschwommen, aber mein Verstand noch einigermaßen scharf. Allerdings nicht so scharf wie der Mann neben mir meint zu sein. Seit 15 Minuten redet er in einer Endlosschleife, ganz der Typ Philosphie-Student: viel heiße Luft, die mich kalt lässt. „Ich betrachte die Dinge anders als alle anderen“, meint er klugscheißend, rutscht auf seinem Barhocker immer weiter zu mir und beendet seinen Redefluss mit „Weißt du, ich bin dennoch ein Realist“. Ich hebe eine Augenbraue und sage: „Warum sitzt du dann noch neben mir?“

Ein Lokal in Klagenfurt. Neben mir ein Anzugträger, ein bisschen zu glatt, ein bisschen zu rasiert, ganz der Typ erfolgreicher Businesskerl: großes Auto, großes Konto, große Klappe. Er summt die Fahrstuhlmusik im Hintergrund mit, lässt seinen Scotch-Nebel-Blick über die Theke gleiten und bleibt an mir hängen. Lächelt breit, ein wenig dümmlich, schiebt sich zu mir, mustert mich von oben bis unten. Haucht eine Anmachplattitüde und wartet tatsächlich auf Antwort. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und lasse ihn reden. Er hat die Sprache eines  5-Jährigen und sagt „mega“ und „geil“ und schließt jeden Satz mit „oder so“. Er fühlt sich ob meines Schweigens siegessicher und beendet seinen Monolog mit „Weißt du, ich steh voll auf Persönlichkeit und so.“ Ich stehe auf und sage: „Dann leg dir doch eine zu!“


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 11/2008)