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Die, in der sich primäre Geschlechtsorgane aus sekundären Gründen begegnen

Wissen Sie: Kärnten ist ja berühmt für seine Lebensqualität. Und das schreibe ich nicht nur als gebürtige Klagenfurterin, sondern weil es tatsächlich stimmt. In Kärnten haben wir unzählige Höhen und Tiefen, sprich: Berge und Seen, wir haben des Glockners Eisgefilde, der Matten herrlich Grün, der Karawanken Felsenwand, ja ja, alles Kärntner Heimatland. Wir wohnen halt da, wo andere Urlaub machen. Aber es gibt noch einen Grund, hier zu leben. Sex! Der „Durex Local Report“ vor ein paar Jahren ergab: In Kärnten wackeln die Betten. Wir bringen im Durchschnitt 116 Mal im Jahr die Matratzen zum Glühen und sind Sexweltmeister in Österreich, während andere Bundesländer jämmerlich im Off verschwinden. Ja ja, dort, wo Tirol (oje, nur 96 Mal) an Salzburg (ätsch, nur 89 Mal) grenzt …

Und genau das sind die Grenzen, an die ich immer stoße (und nein, das war keine Metapher für Sex). Treue Leser dieser Kolumne wissen: Ich pendle zwischen Österreich und Deutschland, und nein, das ist gelogen, denn ich pendle zwischen Wien und Berlin – und das ist etwas völlig anderes. Denn wo Wien (Berlin) draufsteht, ist noch lange nicht Österreich (Deutschland) drin. Worauf ich hinaus will: Es ist nicht nur die Landesgrenze, die uns trennt. Auch nicht der Hang der Piefke zu Socken in Sandalen oder das Klischee des bärtigen Ösis mit Talent zur Langsamkeit. Nein, nein, die Wahrheit liegt tiefer. Genau da, wo primäre Geschlechtsorgane sich aus sekundären Gründen begegnen.

Ich erkläre das lieber mal: In Berlin könnte ich mich nackt auf ein Auto legen – und alles, was passieren würde, wäre, dass ein Typ vorbei kommt und gelangweilt fragt, ob ich mal Feuer habe. In Österreich hingegen brauche ich nur in meiner Handtasche nach meinen Zigaretten suchen – und bin umringt von einem Haufen Kerlen, die mir weismachen wollen, dass sie bei der Zigarette danach den Teil davor am besten beherrschen.

Sie verstehen, worauf ich hinaus will? Ich sag es mal so: Sex zwischen den Ländern, also Sex zwischen Österreichern und Deutschen – vergessen Sie es lieber gleich. Unterschiedlicher geht es nicht, das Interesse der einen hadert proportional mit den Vorstellungen der anderen. Nehmen wir das Thema Kinderkriegen. Der Berliner an sich kann nicht genug davon kriegen. Es gibt dort mittlerweile tatsächlich Bezirke, wo es mehr Kinder als Drogendealer gibt – und fragen Sie mich lieber nicht, wie ich das finde. Der Berliner an sich denkt: Je mehr Kinder, desto besser. Ihr einziges Problem: Sie müssen Sex haben, um Kinder zu kriegen. Verdammt! Im Gegensatz dazu die Österreicher. Die wollen permanent Sex. Immer und überall, in jeder Situation, mit jedem Menschen, mit jeder Partei (öhm!). Es gibt nur ein Problem: die Konsequenz daraus. Kinder? Gott verhüte!

Sie fragen sich, warum ich noch Single bin? Jetzt wissen Sie’s. Und wenn ich mich demnächst auf einem Auto räkle, sehen Sie lieber weg. Ich verspreche, ich bin nackt.


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 06/2010)

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Die, in der niemand über schlechten Sex lachen will

Wissen Sie: Als ich dreizehn war, verliebte ich mich im Ferienlager unsterblich in B. Doch nach drei Tage Beziehung kam es zum peinlichen Showdown. Er besuchte mich in meinem Zimmer, aber da ich es mit vier anderen Mädchen teilte, zogen wir uns auf den Balkon zurück. Die Sterne über uns strahlten, wir lauschten in die Stille der Nacht und küssten uns – bis die Ruhe deutlich hörbar unterbrochen wurde, als mein Magen rebellierte und ich B. in den Mund rülpste. Danach küsste er mich nicht mehr. Weil wir den Fehler machten, die Panne tot zu schweigen, anstatt uns darüber lustig zu machen. Denn Sex ist, wenn man trotzdem lacht. Vor allem über sich selbst.

Während ich meine blauen Flecke zählte und hysterisch gackerte, drehte er sich verschämt zur Seite und zweifelte an seiner Manneskraft.

So wie unlängst beim Jahreswechsel, als es im Freundeskreis wieder mal um Sex ging. Und ich musste die Hose runterlassen und gestehen, dass ich genau diese im Jahr 2007 immer anbehalten hatte. „Um meine Sex-Quote von 2007 zu verdoppeln, muss ich 2008 nur einmal Sex haben“, sagte ich feixend und lachte herzhaft über mich. Und nahm mir vor, dass im neuen Jahr alles anders werden würde. Sex noch dieses Jahr! Das dachte ich zumindest. Ich verbrachte kürzlich ein Wochenende bei einem Bekannten. Wir waren unterwegs auf Kneipen-Tour und hatten bald mehr Promille als Paris Hilton Gehirnwindungen, bis wir irgendwann in seinem Schlafzimmer endeten beim hoffnungsvollen Versuch, Sex zu haben. Doch offenbar lag Murphy’s Gesetz zwischen uns, denn alles ging schief, was schief gehen kann. Mein linkes Knie krachte gegen seine Nase, sein Kopf donnerte gegen mein Kinn, und als er mich nach weiter oben im Bett schob, um mich nach allen Regeln der Kunst zu lieben, knallte er meinen Kopf gegen die holzvertäfelte Wand, dass ich mehr Sternchen sah, als bei RTL je interviewt wurden. Und wieder passierte das, was mir als 13-Jährige widerfahren war. Er konnte nicht darüber lachen. Während ich meine blauen Flecke zählte, hysterisch gackerte und im Geiste diese Kolumne formulierte, drehte er sich verschämt zur Seite und zweifelte an seiner Manneskraft.

Die einzige Größe, auf die es im Bett ankommt, ist Humor!

Weil in dieser Nacht nichts mehr groß wurde außer seinen Komplexen, verkniff ich mir jedes weitere Herumulken – bis zum nächsten Abend. Wir waren mit seinen Freunden essen, ich prostete ihm zu. Da brachte er die Plattitüde: „Schau mir in die Augen, sonst hast du sieben Jahre schlechten Sex“. Und ich konterte: „Ich dachte, das hatten wir schon gestern!“ Zufällig saß Murphy’s Gesetz erneut neben uns, sodass nicht nur er, sondern all seine Freunde meine Aussage hörten und mich für den Rest des Abends eisern anschwiegen und mieden, als wäre ich die Brut Satans. Und ich frage mich: Warum können Männer bloß nicht über Pannen im Bett lachen? Die einzige Größe, auf die es dort ankommt, ist doch Humor!

Sex 2008? Von wegen. Er hat sich seit diesen Tagen nicht mehr gemeldet. Vielleicht habe ich es verdient. Aber vielleicht hätte er einfach mit Humor ins Bett gehen sollen statt mit mir.


 

(Erschienen in: „CHICA“, Ausgabe 02/2008)