Die, in der ich 13 mal (dazwischen) komme

Wissen Sie: Es ist Samstag und mein Telefon klingelt. Da es halb zwei in der Nacht ist, bin ich etwas verwundert – noch verwunderter bin ich allerdings über den Anrufer. Denn es ist der S. – und meine erste Reaktion ist lautes Lachen. Warum? Das ist eine peinliche Geschichte des Dramas „Mein Handy, Prosecco & ich“.

  1. Akt: Es ist doch so: Frauen sind kommunikativ und emotional. Und multitaskingfähig. Was bedeutet, dass sie mehrere Sachen gleichzeitig tun können. Mit der Freundin über das Kamasutra diskutieren, sich die die Zehennägel lackieren und parallel siebzehn Folgen „Sex and the City“ gucken. Wenn eine Frau jedoch versucht, andere Dinge gleichzeitig zu machen – zu viel trinken, zu viel fühlen, zu viel telefonieren –, wird aus dieser Multitaskingfähigkeit der Fluch, betrunken seinen Exfreund anzurufen, um ihm zu sagen, dass er schlecht im Bett war. Mit dem Hinweis, dass es doch auf die Größe ankommt. Oder um ihm mit einer Trillerpfeife – tröörööööt! – einen Tinitus zu verschaffen. Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten, sich zu blamieren. Ich bin Weltmeister darin.
  1. Akt: Ein Abend im April. Ich hatte einen miesen Tag und den Prosecco kalt gestellt. Nach einem Glas geht es mir besser. Nach dem dritten fühle ich mich wie neu. Und nach dem siebten Glas bin ich kommunikativ, emotional – und beschließe, den S. anzurufen. Uns verbindet eine Freundschaft – und manchmal kommt uns Sex dazwischen. Sex ist aber nicht der Grund, warum er mir in den Sinn kommt, denn er hat eine Freundin (und ich bin zu betrunken). Es ist die Art Einsamkeit, die entsteht, wenn man zu viel Prosecco getrunken hat. Also rufe ich an. Zwar zeigt mir ein Blick in den Spiegel, dass ich schiele und vier Augen habe, aber hey, was soll’s. Leider hebt er nicht ab, und ich falle promilleschwer ins Bett.
  1. Akt: Am nächsten Morgen fühle ich mich, als würden Tokio Hotel auf meinem Kopf durch den Monsun gehen, und als ich meine Mailbox abhöre, will ich freiwillig mit Bill Kaulitz ans Ende der Welt. Denn wie mir der S. etwas ungehaltenen mitteilt, habe ich ihn 13 Mal angerufen. Das findet er nicht so lustig, weil er schlafen wollte. Mit seiner Freundin. Ich war in dieser Nacht die einzige, die (dazwischen) gekommen ist. 13 Mal. Peinlich! Nachdem ich mich drei Tage lang geschämt habe, beschließe ich, dem S. aus dem Weg zu gehen. Und seiner Freundin – sicher ist sicher.

Ach ja, warum ich lachen musste, als S. um halb zwei anrief? Weil wir jetzt quitt sind. Auf der Mailbox klingt er um halb zwei Uhr morgens nicht ungehalten, sondern betrunken. Und willens, dieses Mal mit mir zu schlafen. Vermutlich 13 Mal. Weil auch bei Männern die Kombination von Alkohol, Emotionen und Handy peinlich sein kann. Touché!


 

(Erschienen in: „CHICA“, Ausgabe 06/2008)

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2 Kommentare

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