Die, in der ich zu klein, zu dick und zu unwichtig für den roten Teppich bin

Wissen Sie: Das mit Promi-Partys ist so eine Sache. Eigentlich will da jeder hin. Eigentlich könnte es total spannend werden. Eigentlich stellt man sich das total bunt vor: Neben dem Who is Who der österreichischen Promiszene stehen! Trinken! Reden! Lachen! Flachlegen! Aber eigentlich ist das Bullshit. Eigentlich liege ich lieber im Jogginganzug vor dem Fernseher und schaue mir zum dritten Mal die zehn Staffeln von „Friends“ an, als neben Uschi Glas zu pinkeln (und ja, das habe ich tatsächlich schon gemacht).

 *kreisch*, bin im gleichen Raum wie Michael Jackson *kreisch*

Und doch falle ich immer wieder darauf rein. Während ich das tippe, gehe ich gedanklich meinen Kleiderschrank (und, da ich multitaskingfähig bin, meinen Kontostand) durch, um zu entscheiden, was ich anziehen oder kaufen soll. Denn in knapp 24 Stunden findet der „Amadeus Award“ statt – und ich wurde eingeladen. Also werde ich hingehen und mich dem Wahn einer angeblich so angesagten Promisause widmen. Um eines klarzustellen: Es ist nicht mein erstes Mal. Als ich das erste Mal auf einer Promi-Party war, fühlte es sich wie Weihnachten, Sex mit Robbie Williams und Gratis-Shopping bei Christian Louboutin auf einmal an. Es war eine Bambi-Verleihung vor etwa zehn Jahren, bei der Michael Jackson Ehrengast war. Als ich umringt von Lachshäppchen und Blitzlicht-Ludern auf seinen Auftritt wartete und er 20 Meter von mir entfernt auftauchte, verschickte ich so viele SMS an meine Freunde (*kreisch*, bin im gleichen Raum wie Michael Jackson *kreisch*!), dass meine Handyrechnung garantiert höher war als die von seiner letzter Operation an der Nasenscheidewand.

 Scheiß drauf, ich trink die Puffbrause, bis sie mir zu den Ohren rauskommt!

Die Ernüchterung kam, als ich kurz nach einem so genannten A-Promi mit latentem Untergewicht über den roten Teppich schritt. Ich scheiterte an der zu-Krankheit (zu klein, zu dick, zu unwichtig), und anstatt im Blitzlichtgewitter zu posieren, stolperte ich über eine Teppichfalte und verschwand verschämt im Off. Ich will nicht lügen, so eine Promi-Sause kann schon spannend sein. In meiner äußerst vielschichtigen Persönlichkeit (also in meiner Einbildung) lungern jene kleinen Teufel, die Dekadenz, Luxus und unnötigen Krimskrams toll finden. Alle drei Sekunden ein neues Glas Champagner bekommen, obwohl man eigentlich lieber ein kühles Blondes hätte? Scheiß drauf, ich trink die Puffbrause, bis sie mir zu den Ohren rauskommt! Tatsächlich: Ich hab Champagner verschüttet und kulinarische Köstlichkeiten wie pochierten Hummerfußpilz, panierte Rogenhoden oder glasierte Fischeier gegessen und mich morgens neben anderen Wichtigtuern von den Putzfrauen aus der so was von angesagten Partylocation fegen lassen. Aber wissen Sie, was erstaunlich ist? Irgendwann hatte es sich ausgefeiert, und die Lust auf Partys im Kreise der Haute Volee wurde so groß wie die auf Herpes von einem Leichtmatrosen. Denn eines Abends ertappte ich mich dabei, dass ich – anstatt im Rampenlicht meine Brüste appetitlich für die Kameras zu platzieren – in der Ecke ausharrte, wo die Kellner mit ihren Häppchen raus kamen. Bis sie die Partymeute erreichten, war ihr Tablett leer und ich satt. Irgendjemand muss doch dafür sorgen, dass diese Promi-Hungerhaken weiterhin Klamotten in Kindergrößen kaufen können, oder?

Die nächsten Partys ließ ich aus. Weil es nichts zu sehen und erst recht nichts zu feiern gab. Und wissen Sie was? Auf den „Amadeus Award“ habe ich dann doch verzichtet. Das Büffet war angeblich eh nicht der Rede wert. Und alles anderes? Nun ja: same shit, different party!


 

(Erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 10/2010)

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